Meine Fechtreise nach Israel
von Nils Berliner
Als einleitenden Satz zu dieser Reise muss ich erst einmal erwähnen, dass mich alles, was in diesem Bericht erwähnt wird, 300€ gekostet hat. Inklusive Flug, Unterkünfte, Verpflegung, Aktivitäten, Sehenswürdigkeiten und Transportmittel.
Nachdem ich in einer knappen Vorbereitungszeit von ca. einem Monat eben schnell meine Eltern überzeugen, einen Reisepass beantragen und Sommersachen wieder aus den Tiefen meines Kleiderschrankes graben musste, war es dann so weit. Am 18. Oktober um 7:30 Uhr trafen wir uns am Flughafen Schönefeld, unser Flugzeug sollte 10:55 Uhr Richtung Tel Aviv starten. Vor dem Einchecken dachte ich noch: „Da hat aber jemand viel Zeit für den Check-In eingeplant“. Als wir dann mit den einzelnen Sicherheitsbefragungen begannen, verstand ich auch die Zeit für den Treffpunkt. Erst wurden die Betreuer befragt, anschließend wir alle einzeln, das dauerte seine Zeit. Nun gut, als das überstanden war, konnten wir endlich um 10:55 Uhr unseren Flug nehmen. Auf dem Flug der erste Kulturschock: Coca Cola auf hebräisch beschriftet.
Vier Stunden später erreichten wir nun Tel Aviv, die Jacken, Mäntel und Pullover verschwanden langsam und wir lernten die für uns zuständige Frau des Landessportbundes von Israel kennen, sie wurde uns nur als „Miri“ vorgestellt und wurde später noch unser freundlicher Schatten, der immer da war, wenn es darum ging eine Mahlzeit zu bezahlen. Auf der anschließenden Busfahrt nach Jerusalem lernte ich erst einmal den Rest unserer Gruppe ein wenig kennen. Besonders die Mädchen in unserer Gruppe klangen nach ein paar sehr professionellen Fechtern, darunter eine Florett-Fechterin, welche vorher noch nie Degen gefochten hat und zwei Fünfkämpferinnen. Nach der Busfahrt und unseren ersten Eindrücken Israels, sowie Jerusalems, checkten wir in unserer Jugendherberge ein. Ein sehr spannender Teil für mich, da ich ja noch niemanden so richtig kannte. Ich kam dann einfach in das Zimmer mit den jüngsten Mitgliedern, was nicht wirklich von Nachteil war, da sich später eh alle bei uns aufhielten, da wir das schönste Zimmer hatten, sogar mit Balkon. Später am Abend gingen wir noch in eine traditionelle israelische Gaststätte.
Am nächsten Tag dann, nach einem, nennen wir es „landestypischen“, Frühstück, brachen wir auf zu unserem Rundgang durch die Altstadt. Dieser Rundgang dauerte ca. 7 Stunden an, inklusive einer Mittagspause, in der das Essen natürlich wieder auf Kosten von Miri war. Der Stadtrundgang war sehr interessant und weniger anstrengend, als ich ihn mir zuvor vorstellte, da wir einen sehr netten und, trotz seiner Religion, sehr offen wirkenden Guide hatten und die hohen Temperaturen von über 38°C garnicht so warm wirkten. Bei diesem Rundgang sahen wir selbstverständlich auch Gebäude wie die Klagemauer, den Felsendom und die Auferstehungskirche, die verschiedenen religiösen Viertel der Altstadt, außerdem machten wir weitere Begegnungen mit der Angst, in der die Menschen dort immer noch leben, beziehungsweise welche Ängste schon abgebaut sind: Polizisten die schwer bewaffnet sind, die große Mauer, welche Israel von dem palästinensischen Autonomiegebiet trennt und die große Präsenz von Militär auch in der Stadt. Als der Rundgang beendet war, hatten wir Freizeit bis zum Abendessen. In dieser Zeit stellten wir fest, dass auch das Betreten einer Filiale einer großen Modefirma in Jerusalem mit Sicherheitskontrollen verbunden ist, die denen am Flughafen ähneln. Nur die Befragung fiel aus, es hätte mich jedoch auch nicht gewundert, wenn diese noch gekommen wäre.
Für den nächsten Tag war eine Panorama Tour auf die Hügel um Jerusalem angesetzt, sowie unser erstes Training in dem israelischen Verein. Das Training jedoch fiel, wie einen Tag vorher angekündigt, aus. Bei der Panoramatour lernten wir unseren zweiten Guide kennen, eine ziemlich pro israelisch eingestellte ältere Frau, die deutsch sprach. Bei ihr versuchten wir später einmal eine Frage zu ihrem Glauben zu stellen, eine schlechte Idee. Auf jeden Fall lernten wir auf dieser Tour viel über den Ölberg, jüdische Bestattungsrituale, „bestätigte“ Namen aus der Bibel, die Mauer und über die positiven Aspekte der Auslöschung von Menschenleben. Den weiteren Tag hatten wir dann Freizeit beziehungsweise Mahlzeiten in den Restaurants. Beim Abendessen wurde uns nun schlagartig bewusst, dass wir am nächsten Tag bis 13:00 Uhr Freizeit hätten, wir aber nun schon ziemlich viel von Jerusalem gesehen haben. Aus diesem Grund überredeten wir den Busfahrer uns am nächsten Tag für 25 Schekel (ca. 5 Euro) pro Person nach Tel Aviv zum Baden zu fahren.
Sodass unser nächster Tag dann auch mit selbigem Ausflug begann. Das Wasser hatte in etwa Außentemperatur, der Strand hatte einen sehr schönen Sand und für uns, eine Gruppe Jugendlicher, das wichtigste: es gab Pizza für ca. 0,50€ das Stück. Anschließend setzte unser offizielles Programm fort, was unter anderem auch das Treffen der Gastfamilien beinhaltete, dies führte zu einer spürbar erhöhten Nervosität, gerade bei den jüngeren Mitgliedern der Gruppe. Jedoch stand zuerst das Training im israelischen Verein auf dem Plan, welches sich zunächst als schwierig herausstellte, da der israelische Trainer kein Wort englisch oder deutsch konnte. Da wir jedoch ein paar russisch sprechende Fechter in unserer Gruppe hatten wurde diese Sprachbarriere schnell überwunden. Wir wussten während des Trainings bereits, dass unsere Gastgeberfechter irgendwo unter den Trainierenden waren, was zu einigen Spekulationen in der Gruppe führte, von denen sich, zum Glück, keine bewahrheiteten. Bei diesem Training war ich überrascht von der Leistung der Israelis, ich verlor ein Gefecht von etwa 10 und das bei ca. 38°C in einer stickigen Turnhalle. Im Nachhinein könnte man denken, dass die „schlechten“ Leistungen nur gespielt waren um uns übermütig werden zu lassen. Am Ende des Trainings wurden wir dann nacheinander aufgerufen und von unseren Gastfamilien abgeholt, nun setzte die Nervosität auch bei mir langsam ein. Zum Glück durfte ich noch eine Weile auf der gemütlichen Sportbank sitzen bleiben, ich war der Letzte, der aufgerufen wurde. Als ich dann jedoch meine Gastgeberin das erste Mal traf, besserte sich meine Laune ziemlich schnell. Ihre Mutter musste noch etwas ziemlich hektisch auf hebräisch mit dem Trainer klären, was uns ein wenig Zeit gab, uns zu unterhalten. Ich erfuhr, dass ihr Name Gabriela war, sie war 14 Jahre alt, lebte mit ihrer Mutter alleine, hatte einen 19-jährigen Bruder, der bei der Armee war, jedoch in der Zeit in der ich dort bin mehrmals zu Hause sein wird und dass sie ziemlich genervt schien, dass ihre Mutter ihren Trainer immer wieder Sachen fragte, die scheinbar bereits seit langer Zeit geklärt waren, was sie auch mit einem mehrmaligen Augenrollen kundtat. Teenager scheinen auf der Welt gar nicht so verschieden zu sein.
Nach dem nun alle Fragen geklärt zu sein schienen, stiegen wir in das Auto und fuhren in die Wohnung der Familie. Eine kleine 3-Zimmerwohnung im 2. Stock eines Mehrfamilienhauses, welches durch die orientalische Bauweise auf uns trotzdem recht exotisch wirkte. Beim Abendessen unterhielt man sich noch eine Menge darüber, was wir bereits in Israel erlebt haben, wie ich es fand, usw. Die Mutter sprach jedoch kein Englisch, sie verstand uns nur als ich über meine bereits perfekt erworbenen hebräisch-Kenntnisse sprach. Später am Abend kam dann auch noch der Bruder, Eddie, zu uns. Kurz darauf fuhren wir (Eddie, Gabriela und ich) los um uns mit einer Freundin von Gabriela, die auch eine Gastschülerin aufgenommen hatte, in der ca. 10 Minuten entfernt gelegenen Innenstadt von Jerusalem zum Eisessen zu treffen. Das Eis war selbstverständlich ohne Milch, damit es auch als koscheres Dessert verwendet werden konnte. Auf dem Weg zum Eisladen hatte ich meine erste Begegnung mit der israelischen Polizei in Aktion. Ein Araber schien sich über die Grenze geschmuggelt zu haben und hatte irgendwie wenig Ambitionen, seine Papiere zu zeigen, was zu einer hohen Kommunikationslautstärke führte und auch die Anwesenheit einer auf den Araber gerichteten, recht großen Waffe war nicht zu übersehen. Nachdem man sich nun weiter unterhielt, Fotos machte, Eis aß und sich über weitere kulturelle Unterschiede freute, ging dieser Abend ziemlich schnell zu Ende, da wir ja am nächsten Tag früh raus mussten.
Gabriela musste zur Schule und unsere Gruppe traf sich dementsprechend auch zum Schulbeginn in der Turnhalle der Schule. Auf dem Weg zur Schule ein neuer Unterschied, am Eingang wurden wir aufgehalten und uns wurde gesagt, dass Menschen ohne Schuluniform nur durch den Haupteingang reinkommen. Ja, und auch hier dann mal wieder eine Sicherheitskontrolle nach Flughafenstandarts, Tasche durchleuchtet und durch den Metalldetektor. Wie oft ich in diesem Urlaub meinen Gürtel ab gemacht habe ist sagenhaft. Anschließend ging es dann für unsere Gastgeber in den Unterricht und für uns zum Yad Vashem. Dieser Bau ist sehr gut gemacht, sehr viel Symbolik am Bau und eine sehr gute deutsche Führung sorgen dafür, dass der Besuch selbst für deutsche Jugendliche, die schon in sämtlichen Konzentrationslagern und Gedenkstätten waren, interessant sowie bedrückend ist. Nach diesem Besuch fuhren wir zu dem Einkaufszentrum, welches gegenüber des Stadions war, in dessen Innenbereich die Israelis trainierten, um einen von Miri bezahlten Snack zu essen (Falafel oder Pizza). Blöder Weise konnte man sich hier sein Gemüse für den Falafel selbst nehmen und so ein übermütiger Teenager, der ab und zu Tabasco trinkt, denkt natürlich, ihm sei nichts zu scharf... bis er nach Israel kam. Nun gut, auf jeden Fall musste ich den Rest meines Falafels dann wegschmeißen. Nach diesem Selbstmordversuch gingen wir nun zum Stadion, in dem sich auch eine Kletterhalle befand, ich hatte mich diesen Morgen jedoch mit meiner Gastfamilie verquatscht, was morgens zu einem Mangel an Zeit und nun auch noch an Sportsachen führte, weshalb ich nicht mitklettern konnte beziehungsweise wollte. Kletterwände gibt es nun auch in Deutschland, also nicht unbedingt ein tragischer Verlust. Nachdem die anderen mit dem Klettern und Marius und ich (Marius hatte Höhenangst) mit unserer Erkundungstour durch das Stadion fertig waren, holten wir unsere Gastgeberfechter vom Training ab und fuhren mit ihnen nach Hause, wo schonwieder ein Abendbrot auf uns wartete. Während des Abendbrotes wurde heftig auf hebräisch diskutiert, ob wir uns noch mit den anderen zum Sushi Essen treffen dürfen. Ist schön bei so einem Streit zwischen Mutter und Tochter sich einmal nur auf die Körpersprache zu konzentrieren, wenn man von den Worten eh nichts versteht. Nun gut, wie das bei solchen Diskussionen ist, durften wir am Ende doch und so trafen wir uns mit Gabrielas Freundinnen zum Sushi Essen in der Innenstadt von Jerusalem. Ach war das ein doofer Abend, ca. 6 gut aussehende Mädchen, die sich alle auf Fotos mit dem „Deutschen“ drücken mussten und es an diesem Abend eigentlich nichts wichtigeres gab, als den deutschen Fechter. Wie ich den Abend nur überlebt habe?
Am nächsten Morgen dann der Wettkampf. Bereits an der Haustür wurden wir von Gabrielas Bruder empfangen, an dieser Stelle dachte ich noch: „Nun gut, mit 14 Jahren ist bei mir ja auch noch die ganze Familie bei jedem unwichtigen Wettkampf mit gekommen“, jedoch begriff ich erst nach dem Wettkampf, dass der Shalom-I Sborn Cup-Jerusalem (so der Originaltitel, wie er in meinem Fechtpass steht) die Israelmeisterschaft der Aktiven war oder in Dieters Worten „nen richtig großes Ding“. Insgesamt gab es 46 Teilnehmer beim Herrendegen, darunter acht Deutsche. Schon bei der Vorrunde merkte ich, dass das Niveau, was uns hier geboten wurde, ein ganz anderes war. Teilweise waren die Unterschiede nur ein paar Gramm zu wenig auf der Spitze die dafür sorgten, dass der Gegner das Gefecht gewann, zum anderen Teil kam es jedoch auch vor, dass das Gefecht beendet war bevor ich überhaupt realisierte, dass es angefangen hatte. In die zweite Runde kamen von unserer deutschen Gruppe zwei Fechter: Dieter und ich. In der zweiten Runde gewann mein Gegner jedoch ziemlich schnell die Oberhand, wobei ich allerdings bei einem Stand von 9:0 Treffern, noch auf einen Stand von 15:9 Treffern aufholen konnte. Bei Dieter war es jedoch noch knapper und nach einem ziemlich ausgeglichenen Gefecht wurde es dann, mit einer knappen Niederlage für Dieter, durch die Zeit beendet. Am Ende belegte Dieter den 28. und ich den 30.Platz. Als sich dann die meisten aus unserer Gruppe verabschiedeten, wartete ich mal wieder auf Gabriela. Da die Damen ja, genau wie in Deutschland, nach uns starten. So konnte ich noch einige Tipps in Richtung unseres professionellen Damenteams geben. Beim Fünfkampf lernen die etwas von Diamanten, ist doch auch spannend. Nach dem nun auch die Damen endlich fertig waren, konnten wir in meine Gastfamilie fahren. Da es ja am Vortag große Diskussionen wegen dem Sushi Essen gab, beschlossen wir auf so eine Diskussion zu verzichten und uns nicht fahren zu lassen, was scheinbar alles legitimierte und so gingen wir, nachdem wir uns erholt und erfrischt hatten, auf die Geburtstagsfeier einer ihrer Freunde in der Nähe, outdoor versteht sich. Da wir uns vor der Party mit mehreren ihrer Freundinnen trafen und diese nicht allzu pünktlich waren, war es dann auch schon ziemlich spät als wir die Feier erreichten. Zuvor faszinierte mich noch folgendes Ereignis: Man hört einen lauten Knall und Gabriela schreckt auf, sie guckt sich kurz um, zuckt mit den Schultern und kommentiert es mit „Ach, war auf palästinensischer Seite“. Kurz nachdem wir die Feier erreichten wurde mir mit den Worten „This party sucks!“ mitgeteilt, dass diese Feier wohl nicht dem Geschmack meiner Gastgeberin entsprach und wir deshalb weiter gingen. Gut so, da konnte eh keiner gut Englisch. Nach diesem kleinen Abstecher, trafen wir nun wieder ihre Freundinnen vom Vortag, die dann auch wieder alle Englisch sprachen. Nachdem ich an diesem Abend noch perfekt hebräisch lernte und die Israelis sich noch auf deutsch beleidigen konnten gingen wir nun nach Hause und ins Bett.
An unserem freien Tag mit den Gastfamilien, dem Samstag, ging ich mit meiner Gastfamilie zuerst auf einen Markt, auf dem es Produkte aus der Region zu kaufen gab. Da es meine Gastfamilie gut mit mir meinte und die Verkäufer auch recht großzügig waren, gab es für mich viel zu probieren und die Verkäufer schien es noch nicht einmal zu stören, wenn man nichts kaufte. Nach dieser kleinen Pause fuhren wir zum Panzermuseum für ein Foto, das machten wir dann auch schnell vor dem Panzer, der als Werbung auf der Straße stand. Anschließend fuhren wir nach Tel Aviv, dort angekommen trennten wir uns, Gabriela und ihre Mutter gingen shoppen, während mir ihr Bruder Tel Aviv zeigte und viel zu den einzelnen Gebäuden erzählte. Während er so erzählte kam uns irgendwann ein Polizist in Bombenentschärfungskleidung entgegen und rief uns etwas auf hebräisch zu und wir wechselten die Straßenseite. Eddie übersetze mir später, dass er uns empfahl, die Seite zu wechseln, da es am Ende der Straße Verdacht auf eine Bombe gab. Nachdem ich mich mit Eddie noch weiter über dies und das unterhielt und wir noch mehrere Fotos machten beziehungsweise machen ließen trafen wir dann auch Gabriela und ihre Mutter wieder und wir fuhren zu ihnen nach Hause. Nachdem wir gegessen hatten gingen Eddie und ich nun alleine raus, da Gabriela noch Hausaufgaben machen musste. In dieser Zeit unterhielten wir uns sehr viel über die Politik in Israel, seine Erlebnisse beim Militär, wie zum Beispiel die Detonation einer Rakete in 30 Meter Entfernung die er währen einer Patrouille mit erlebte und über das Judentum, warum sie den Samstag nicht so zelebrieren wie andere Familien. Als dieses sehr lehrreiche Gespräch beendet war und wir wieder zu Gause ankamen, war Gabriela auch fertig mit ihren Hausaufgaben und wir trafen uns wieder mit ihren Freundinnen.
Am nächsten Morgen stand ich alleine auf, da Gabriela später Unterricht hatte, da dies zuvor der letzte Abend in der Gastfamilie war, war die Nacht auch etwas kürzer und dementsprechend fühlte ich mich auch. Und wie gut ging es mir erst, als ich realisierte, was ich getan hab, als ich zu Gabriela am Vorabend meinte sie könne ruhig liegen bleiben, wenn sie wenig schläft bevor sie in die Schule geht ist das ja schließlich schlimmer. Ja, nun war ich aber mit ihrer Mutter alleine, die kein Wort englisch oder deutsch konnte und ich kein Wort hebräisch. Fast eine dreiviertel Stunde schwiegen wir uns zuerst beim Frühstück und anschließend bei der Autofahrt an. Wie froh war ich als ich aus dem Auto raus zu unserem Bus gehen konnte. Nach dem nun alle im Bus waren wurde während der Fahrt zuerst über den Samstag mit den Familien geredet, wirklich Pech scheint niemand mit der Gestaltung dieses freien Tages gehabt zu haben und fast alle waren in Tel Aviv und wieder einmal bekam ich von den Jungen aus der Gruppe zu hören was ich doch für ein Glück mit der Gasfamilie hatte, das ist halt der Vorteil, wenn die Gastfamilien sich nur den Namen aussuchen können und man Berliner heißt und aus Berlin kommt. Während dieser Busfahrt ging es in das palästinensische Autonomiegebiet, doch nicht wie erwartet mit großem Militäraufgebot und Tamtam, sondern einfach so. Ich hätte es garnicht bemerkt wenn unsere Reiseleiterin es nicht durchgesagt hätte und die Autos waren auch die gleichen, auf der israelischen Seite sah man eben so viele palästinensische Autos wie auf der palästinensischen Seite und umgekehrt. Unser erstes Ziel war ein Naturschutzgebiet, eine Oase nicht weit vom Toten Meer entfernt. Es ist sehr spektakulär, zu sehen wie so ein grüner Punkt auf einmal in der Wüste auftaucht (da fällt mir ein, haben die eigentlich Mülltrennung in Israel? Gar nicht darauf geachtet). Im Prinzip ist es nur ein schmaler Streifen grün von einem Fluss gesäumt. Rechts, links Wüste und Wasser plätschert durch die kleinen Becken, in denen wir auch baden waren, im Gestein und Schatten wird einem von den Bäumen gespendet. Nachdem wir nun erfrischt waren und unglaublich viele Fotos gemacht haben, die sich nie wieder jemand angucken wird, ging es auf zum Toten Meer. Während der Fahrt gab es schon Baderegeln für uns, die uns ein wenig stutzig machten, aber klar bei einem solchen Salzgehalt muss ja Sicherheit gewährleistet sein. Kurz darauf waren wir dann am tiefsten Punkt der Erde und somit am Toten Meer. Hier braucht man übrigens auf Grund der Höhenlage keine Sonnenschutzmittel, habe ich vorher auch nicht gewusst. Im Toten Meer zu baden ist wirklich ein einmaliges Gefühl, das Gefühl schwerelos zu sein. Nach diesem Erlebnis sollte es eigentlich auf den Massada gehen, da es in der Wüste aber immernoch sehr warm war beschlossen wir es auf den nächsten Tag in den Morgen zu legen. So fuhren wir sofort in unsere Jugendherberge in der Wüste. Beim Abendbrot eröffnete uns Dieter dann was ein Ausflug morgens bedeutete.
Ich weiß nicht mehr genau wie früh wir aufgestanden sind, aber ich habe ein Foto von meiner Uhr gefunden auf der 5:52 Uhr steht und da waren wir schon eine Weile unterwegs. Doch dann wurden wir unterwegs zum ersten mal entlohnt: der Sonnenaufgang in der Wüste. Oben erwarteten uns dann die Ruinen einer alten Stadt, wo uns über die sehr interessante Geschichte dieser Stadt berichtet wurde. Den Berg runter fuhren wir dann mit der Seilbahn. Anschließend gab es endlich Frühstück. Nach dem Frühstück ging es dann über die Ruinen der Häuser von Petrus Familie und anderen Orten, die bibelkundigen Menschen vielleicht namenhaft sind zu unserem Ziel: dem See Genezareth, wo dann auch unsere Jugendherberge stand, die Jugendherbergen während unserer ganzen Reise waren immer in einem sehr edlen Zustand und recht ähnlich gebaut. Diese war direkt mit Strand an dem See Genezareth gelegen und hatte einen sehr großen Innenhof.
Am darauf folgenden Tag fuhren wir über Nazaret und andere in der Bibel erwähnte Städte und Dörfer letztendlich nach Jaffa, einem historischen Vorort von Tel Aviv, wo wir dann noch eine letzte Führung bekamen. Nach dem Abendessen gingen ein paar von uns noch zu dem sehr schönen Strand von Jaffa, von wo aus man einen sehr guten Blick auf die Skyline von Tel Aviv hat.
Am nächsten Morgen hatten wir dann einen freien Vormittag in Tel Aviv, da ich in unserer Gruppe meistens mit Jungen zu tun hatte, war unser Vormittag, am letzten Tag, geplant: Postkarten und etwas zum Mitbringen kaufen. Später fuhren wir dann wieder mit der Gruppe nach Jerusalem, wo wir noch ein letztes Mal am Training teilnahmen, es gab dort Abendbrot und wir verabschiedeten uns von unseren Gastfamilien. Dann ging es ca. 21:00 Uhr in unser Hotel, wo ich mit Karten schreiben beschäftigt war, bis wir dann noch ein letztes Mal in Jerusalem auf die Straße gingen und unter anderem noch schnell unsere Postkarten einsteckten.
Doch 02:15 stand dann unser Bus zum Flughafen vor dem Hotel. Im Flughafen gab es dann wie in Deutschland auch Sicherheitsbefragungen, doch dieses Mal nur mit einer Person aus der Gruppe. Ja, bei mir. Da ich uns da scheinbar gut durchbrachte, von unseren streng geheimen Aufträgen ablenkte und wir alle unsere, mit Sprengstoff gefüllten, Geschenke von den Gastfamilien markierten, kamen wir zur 2. Stufe. Im Flughafen wird das gesamte Gepäck sofort durchleuchtet, nicht nur das Handgepäck. Bei unserer Gruppe von 15 Personen, kamen 3 ohne Nachkontrolle durch. Der Rest durfte den Koffer noch einmal öffnen. Hier durfte ich heute nun schon zum zweiten Mal versuchen Menschen die keine Ahnung haben was Worte wie „fencing“, „epee“ oder „saber“ bedeuten, das Fechten zu erklären, da sich sonst der Sinn einer Fechtmaske in meinem Gepäck nicht zu erschließen schien. Achso, und dann war da noch das hochexplosive Haargel, das ich aus dem Koffer wühlen durfte. Nach dieser Kontrolle war jedoch alles überstanden und wir konnten nach einem letzten Frühstück in einem koscheren McDonald's um 06:05 Uhr unseren Flug nach Berlin nehmen und erreichten 4 Stunden später unsere, nun sehr kalt wirkende, Heimatstadt.