Weltweit gleich doppelt vertreten...
Weltweit gleich doppelt vertreten ist Elmshorn in der Szene der Degenfechter. Beim 47ten JAF Jubiläumsturnier im dänische Aarhus trugen sich sowohl Gerald Hinz (Pl. 8, 1 Punkt) und Nils Lienau (Platz 3, 2 Punkte) in die Weltrangliste ein.
Für Gerald Hinz sind Punkte in der Weltrangliste fast zur Routinesache geworden. Wie gewohnt souverän, wenn auch diesmal ohne Glanz, ging Hinz durch die Vorrunden und erkämpfte sich für den Direktausscheid ein Freilos. Den Einzug in das Finale der besten acht und zugleich den Weltranglistenpunkt sicherte sich Hinz, indem er den Schweden Oscar Björkman mit 15:2 düpierte. Im Anschluss verlor der EMTVer knapp 14:15 gegen den dänischen Nationalfechter Hans von der Osten – Platz 8.
Nils Lienau schaffte den Einzug in die K.O.-Runde nur denkbar knapp – wegen seiner schlechten Setzung musste er zunächst gegen den dänischen Nationalfechter Martin Jensen antreten. Der 2m lange Däne, dessen Spitzname „Hollywood“ von seinem ungestümen, mit wilden, riesigen Paraden an einen Piratenfilm erinnernden Angriffsstil herrührt und der mit dieser Methode sogar vor zwei Jahren dänischer Meister geworden war, hielt sich zu Beginn zum Erstaunen des Publikums zurück und tat – für ihn absolut untypisch – überhaupt nichts nach vorne. Nach zwei Minuten gegenseitigen Abtastens setzte Nils Lienau mit einem perfekt getimten Angriff den ersten Punkt und nutzte die danach beginnenden zögerlichen Versuche seines Kontrahenten in Richtung Offensive eiskalt für seine Gegenangriffe aus. Als nach dem ersten Drittel der Elmshorner mit 5:2 in Führung lag, war das Gefecht fast gelaufen. Lienau gelang es, in einem Meisterwerk psychologischer Kampfführung vor einem immer größerem Publikum – es war die letzte Begegnung, die in dieser Runde noch lief - seinen Gegner immer mehr zu zermürben und zu unbedachten Angriffen zu verleiten und nutze die sich daraus ergebenden Möglichkeiten brilliant aus . Am Ende siegte Lienau auch der Höhe nach verdient mit 15:8.
Nach einem klaren 15:10 Erfolg gegen den Moldawier Valentin Cedoi erwartete Lienau im Halbfinale gegen Tor Forsse eigentlich das Aus. Der Schwedische Nationalfechter gehört zu den Top 10 in Skandinavien, war mal „Nordischer Meister“ und rangierte eine Zeitlang in der Weltrangliste unter den besten 16. Doch der EMTVer ignorierte den Klassenunterschied und konnte immer wieder mit blitzartigen Gegenangriffen in die Vorbereitung des haushohen Favoriten Treffer markieren und führte nach den ersten 3 Minuten mit 12:9. Als der Stockholmer im zweiten Drittel in souveräner Manier seinen Rückstand in eine 13:12 Führung umdrehte, sah es aus, als sei die Begegnung entschieden. Aber als Lienau gleich zu Beginn des letzten Durchgangs mit einem herrlichen Treffer unter die Hand den Ausgleich erzielte, verlor der Stockholmer trotz eines weiteren Punktes zum 14:13 die Nerven. Abermals glich Lienau in weltklasseverdächtiger Manier erneut genau unter die Hand aus und beendete die dramatische Partie Sekunden später mit einem entschlossenen Vorstoß ins Tempo des Gegners zum 15:14 . Im Anschluß unterlag Lienau etwas unglücklich dem späteren Turniersieger Michael Hansen (FK Mahaut Kopenhagen), war aber mit den nach den ersten Gefechten nicht mehr erwarteten Weltcuppunkten mehr als zufrieden.
Am Rande:
Der hühnenhafte dänische Ex-Meister Martin Jensen, wegen seines Fechtstiles auch „Hollywood“ genannt, wird sich noch lange unangenehm an den über einen Kopf kleineren Elmshorner Nils Lienau erinnern. Schlimm genug, dass Jensen nach seiner verheerenden 8:15 Pleite gegen den EMTVer um seine Teilnahme an der WM auf Cuba fürchten muss und für die im Sommer 2004 in seiner Heimatstadt angesetzte Europameisterschaft eine denkbar schlechte Ausgangsposition hat – sowohl in der Vorrundenbegegnung (5:2 für Lienau) als auch im K.O. brach dem rothaarigen Wikinger eine Degenklinge ab, Kostenpunkt pro Stück: ca. 100,- €......“Ich glaube, er hasst mich jetzt“ war Lienaus Kommentar.
Mindestens ebenso unfassbar war das überraschende Ausscheiden für den haushohen Favoriten Tor Forsse. Über eine Stunde saß der Schwede mit nacktem Oberkörper auf einem Stuhl im äußersten Winkel der Fechthalle und trauerte den vergebenen vermeintlich leicht zu holenden Weltcuppunkten nach...